Weltweite Bankenkrise
Wenn schon Focus (Money) Online, Stern.de und SpON (inzwischen geändert) mit der Überschrift “Das Ende der Investmentbanken” aufmachen und dazu beinahe dasselbe Stock-Photo verwenden, dann, habe ich mir gedacht, kann ich ja wohl auch dieselbe eindeutige Headline verwenden. Zumal sie einfach stimmt: Denn Goldmann Sachs und Morgan Stanley, in der Hitparade der wüstesten Banken weit oben, werden zwangsweise zu stinknormalen Geschäftsbanken. Damit hat der Spuk, der irgendwann Anfang der Neunziger begann, ein Ende. Der Spuk ist auch bekannt unter dem Etikett “entfesselter Turbokapitalismus” – ein Begriff, der demjenigen, der ihn nutzte, meist den Antikapitalismusvorwurf eintrug. Bewiesen ist nun auch, dass die gottgleiche, weil unsichtbare Hand des Marktes eine Hure ist, die nichts regelt, was ihr nicht nützt. Angewirtschaftet haben nun auch die Neoliberalen, wenngleich deren aktiven Protagonisten natürlich ohne persönlichen Schaden aus den Trümmern kriechen.
Die Zeit der Beschreibung dessen, was seit Anfang 2007 geschehen ist, dürfte abgelaufen sein, es geht jetzt um die Bewertung. Die ZEIT widmet dem Desaster in ihrer Ausgabe von vergangener Woche fast zwei Seiten. Zitiert werden natürlich auch die Gräfin Dönhoff und der altersenile Ex-Kanzler Schmidt, die ja schon immer vor der Gier gewarnt haben. So einfach ist das according to the White Protestant Moral Elite.
Wer nicht im Kettenkarussell des Investment-Banking mitgefahren ist, für den ist schwer zu verstehen, wie genau die hochdotierten Bankspekulanten ihre Lotterie angezettelt und betrieben haben. Jedenfalls war bei diesen nichtsnutzigen Kreaturen dieselbe kriminelle Energie im Spiel wie bei den verwanzten Betreibern von Zockerhöhlen im Hinterzimmer. Wenn sich dann ein EX-DB-Boss in eine Talkshow setzt und behauptet, die Kleinanleger in ihrer Gier seien verantwortlich für den Crash, dann ist das auf ekligste Weise perfide. Wer hat denn überhaupt die “Produkte” entwickelt und den Sparern angedreht, die nun serienweise explodiert sind? Wer hat Otto Normalanleger denn Renditen oberhalb der Schamgrenze versprochen? Wer hat sich denn verspekuliert? Doch nicht der Rentner, der sein Erspartes so anlegen wollte, dass er bis an sein Ende ein aus Zinsen gespeistes Zubrot verzehren kann.
Gelegentlich lohnt es sich, mal wieder im ollen Kalle Marx zu blättern. Besonders interessant ist in diesen Tagen die Theorie von den zyklisch wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus. Denn laut dialektischem Materialismus werden sie genau auf die Art und Weise erzeugt wie das Ende der Investmentbanken. Tatsächlich halten sich die US-Regierung und die Regierung des Vereinigten Königreichs jetzt an die Marx’schen Empfehlungen: Sie verstaatlichen Banken. Das tun sie, um den vollständigen Crash zu verhindern, der mittelfristig zur Verelendung von Massen und in der Folge zu Volksaufständen, Revolten und vielleicht sogar zu der einen oder anderen sozialistischen Revolution führen könnte.
Wenn jetzt die menschenfeindliche Bush-Administration über ein Hilfspaket für die Banken in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar (700.000.000.000 $) berät, dann beraten die Profiteure der Macht auch darüber, wie viele Kinder weltweit sterben werden, weil durch das Paket Mittel zur Hilfe für die armen Staaten entzogen werden; man kann es sich ausrechnen: Es werden über einen Zeitraum von zehn Jahren mindestens 15 Millionen Menschenleben sein, die draufgehen, weil die amoralischen Bankenschweine vom erzkorrupten Präsidenten des Grauens für ihr Missmanagement belohnt werden.
[...] In der Rainer´schen Post ist zu lesen: [...]
Überlebende Investmentbanken sorgen mit geschicktem Schachzug für Artenschutz…
Dieser Gedanke kam mir jedenfalls als ich heute Morgen im Radio hörte, dass sich die verbleibenden beiden großen New Yorker Investmentbanken, Goldman Sachs und Morgan Stanley, “freiwillig” den Kontrollen, Regeln und Kapitalanforderungen…