Tod dem SUV!

q7_fiat500.jpgIm vergangenen Herbst berichtet die alte Tante ZEIT über militante Gruppen in Berlin, die methodisch Autos abfackeln:

“Sie planen präzise, sie spähen ihre Tatorte in aller Ruhe aus, sie kommen bei Nacht. Meistens schlagen sie in der Berliner Innenstadt zu, oft in Wohnstraßen, in denen die Autos dicht beieinanderstehen. Wenn keiner hinschaut, schlendert einer daran entlang. Er bückt sich, legt einen Grillkohleanzünder auf einen Reifen und eine Zigarette obendrauf. Dann geht er ganz gemütlich weiter. Nach ein paar Minuten brennt der Wagen.”

Dabei trifft es vor allem diese überdimensionierten Kisten, die der Papa der Mama kauft, damit die das gemeinsame Kindspack zu diversen Sport- und Flötenveranstaltungen karren kann, ohne sich fürchten zu müssen. Nachdem vor Jahren jeder bessere Kabarettist Witze darüber gerissen hat, dass mancher Autokäufer offensichtlich die Stadt mit dem Wald verwechselt und mit einem Geländewagen durch Schwabing, Charlottenburg oder Eimsbüttel donnert, erfanden die Freunde des weißen Kreativpulvers einen der schönsten Euphemismen seit dem Begriff “Entsorgungspark” für die Atomklos: SUV. Dieses harmlose Kürzel steht für “Sports Utility Vehicle”, was eigentlich sagen soll, dass diese Monsterautos sich besonders gut dafür eignen, Sportkram durch die Gegend zu schaukeln.
Folgerichtig wurde anfangs mit gebräunten Jungmenschen (die sich so einen Geländewagen nie leisten könnten…) geworben, die neben das Mountainbike noch ein Surfbrett und den Kite in den Gepäckraum schieben. Das ist, welch Wunder, von der Realität meilenweit entfernt.

SUVs sind Killer
Nun gibt es endlich Beweise, dass die Vertreter dieser sinnlosen Gattung nicht nur Park- und Straßenraum- sowie Treibstoffverschwender sind, sondern veritable Killer sind. der aktuelle ADAC-Crashtest zeigt eindrucksvoll, wie ein Audi Q7, der brutalste unter den Brutalen, einen flammneuen Fiat 500 zermalmt. Wohlgemerkt: Der knuffige Cinquecento wurde beim Euro-NCAP-Test als einer der sichersten seiner Klasse ausgezeichnet.
Tatsächlich machen aber die armdicken T-Träger, die das Mörder-SUV der Länge nach durchziehen, dem Fiat und seinen Insassen gnadenlos den Garaus.

Nun kann man das für Zufall halten oder das Zusammentreffen unglücklicher Umstände. In Wahrheit aber hat die Gewalt Methode. Ja, gerade der Audi Q7 wurde von Anfang an als Aggressivmobil geplant. Anders lässt sich das Design und die Ausstattung mit Brutalmotoren kaum erklären. Im Gegensatz zum Beispiel zum VW Touareg, der sich harmlos gibt, zeigt der Q7 offen, wes Geistes Kind er ist. Über die psychischen Defekte der Entwickler und der Fahrer dieses Mobils soll hier nicht die Rede sei – obwohl es ja bezeichnend ist, dass der angebliche Comödiot Pocher solch ein Gefährt braucht, um von seinen anscheinend mangelnden psychischen und physischen Fähigkeiten abzulenken. Deshalb hält er sich ja auch eine Frau, die ihn überragt.
Es fragt sich, wie es denn um die anderen Essjuwies bestellt ist. Haben die Mercedes-G-Modell eventuell einen Vorbau aus unzerknüllbarem Edelstahl? Ist die niedliche Schnauze des Touareg möglicherweise aus kugelsicherem Material? Und verfügt so Escalade sogar über einen Laser-Brenner zur Vernichtung von Kleinstwagen? Diese Kisten hat der ADAC nicht gegen Smart, Aygo und C1 bumsen lassen. Es steht aber zu vermuten – und das schreibt der ADAC auch so – dass der Crash zwischen SUV und Miniflitzer nie gut ausgehen würde.

Wer sich nicht wehrt…
Jetzt ist der Moment für jeden Fußgänger, Radfahrer, Kinderwagenschieber und Normalautofahrer gekommen, sich zu wehren. Es ist wie damals bei den Dinosauriern: Körperlich kann man den SUVs wenig (siehe oben) anhaben, aber man kann sie so lange piesacken, bis sie sich von selbst erledigen. Ein Mittel ist beispielsweise das Verächtlichmachen der Besitzer (wobei: Wer besitzt schon einen Q7, Touareg, Cayenne oder X5? Die sind doch alle bloß geleast, um Steuern zu hinterziehen sparen…). Das beginnt beim systematischen Kopfschütteln samt Augenkontakt an der Ampel. Auch die Scheibenwischergeste hilft.
Schön ist auch methodisches Parkplatzwegnehmen – auch gegen die Regeln der Fairness. Darauf reagieren SUVisten besonders allergisch. Hat man eine/n der Fahrer/innen so provoziert, kann man auf aggressive Gegenreaktion hoffen, die wiederum zu einer netten Anzeige führen könnte. Am schönsten aber lassen sich Begegnungen an der Tanke inszenieren. Wenn der Scheinförster in seinem tiefergelegten Kasten die 100 durch die Preisanzeige der Zapfsäule rauschen sieht, kann man schonmal mit dem Finger darauf deuten und lauthals loslachen. Aber, bitte, von der ganz oben geschilderten Methode sollten wirklich nur sattelfeste Autonome und Militante Gebrauch machen.

Aussterben
Vielleicht ist aber der David-gegen-Goliath-Trip auch völlig überflüssig, weil die SUVs wie weiland die Großechsen in Bälde von selbst aussterben. Wie ihre Verwandten aus der erdgeschichtlichen Frühzeit haben die Monsterschüsseln ein Problem: Sie brauchen zuviel Fressen, um vom Fleck zu kommen. Ihre Herrchen und Frauchen, getreu des Spruchs von zu wenig Hirn und zu viel Panzer, wiegen sich noch in Selbstbeschwichtigung und berichten stolz, sie führen soooo ver-nünf-tig, dass sie den Verbrauch bis auf unter 11 Litern gepresst hätten. Okay, olle VW Käfer konnte auch kaum mit weniger, aber das war um 1975 bei Spritpreisen von 1,20 DM, und der Käfer ist schließlich auch ausgestorben.
Ganz gewiefte SUVler, die als Gutmenschen erscheinen wollen, greifen zum Hybrid-Geländewagen. Okay, in der Stadt rollt es sich damit lautlos und ohne sichtbaren Benzinverbrauch, aber auf der Landstraße oder der Autobahn säuft auch so ein Lexus. Fragt man die Geländewagenchauffeure, denen eh alles egal ist, wann sie denn verzichten würden, werden Spritpreise bis zu 5 Euro genannt.

Das Milchmädchen sagt: Wenn ein Liter Super 5 Euro kostet und ein Cayenne XYLSGT auf 100 Kilometern davon 18 Liter verbraucht, dann ergeben sich Kosten von 90 Euro für diese Strecke. Einmal Hamburg – München und retour liegen dann bei 720 Euro – von den sonstigen Kosten und dem Wertverlust ganz zu schweigen
Apropos Wertverlust: Nehmen wir mal den beklopptesten aller SUVs, den Porsche Cayenne, einen Touareg, dem man einen 911-Vorderteil auf die Haube geklatscht hat. Nehmen wir mal eine Variante, die für um die 100.000 Euro zu haben ist. Ein kaum dreieinhalb Jahre alter Cayenne S Tiptronic mit einer Laufleistung von knapp über 42.000 Kilometern ist für etwa 20.000 Euro zu haben! Der Wertverlust dürfte bei mindestens 60.000 Euro liegen; macht 20.000 Euro pro Jahr.

Das ist ein relativ neuer Effekt, der an die Börse erinnert: Die dümmsten Spekulanten trennen sich von den schlechten Papieren, wenn alles es tun. Aber so sind sie, die Fans der SUVs, die aber selbst einer aussterbenden Gattung angehören. Zumal in den USA: Der altehrwürdige Hersteller Ford, der seit vielen Jahren vor allem von Monster-SUVs und -Pickups wie F-150 dem lebt, fährt Milliarde über Milliarde Verluste ein, weil selbst der tumbste Ami kapiert, dass das Öl nicht aus der Wasserleitung kommt. Angesichts einer Preissteigerung für Regular (Normalbenzin) von um die 150 Prozent innerhalb zwei Jahren wird dem Liebhaber großvolumiger Motoren wohl doch klar, dass er es sich irgendwann nicht mehr wird leisten können, mit einem Verbrauch von jenseits der 15-Liter-Marke für Spaß durch die Prärie zu gondeln.

Ende
Der ADAC verlangt Maßnahmen zum Unfallschutz bei den SUVs. Andere fordern Tod den SUVs. Die nächste Gruppe arbeitet aktiv daran. Aber letztlich wird sich das Problem innerhalb kürzester Zeit biologisch lösen. Und wenn nicht … wir psychisch gesunden Verkehrsteilnehmer können auch anders.


» Bericht von Rainer Bartel am 26.07.08 um 12:57 » in Kategorien: Wirtschaft » 2,101 x gelesen » 3 x kommentiert
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  1. Der Britische Motorjournalist Jeremy Clarkson hat den Cayenne folgendermassen charakterisiert:

    “Ich kenne eiternde, infizierte Wunden die attraktiver sind als dieses Auto”

    “Der Cayenne ist das einzige Automobil bei dem die lieben Kinder schon kotzen BEVOR sie losfahren”

    Nachdem ich 4 Jahre lang Morris Minor Baujahr ’54 (Verbrauch 6 liter in der Stadt) in Neuseeland gefahren bin (und da haette ich wirklich manchmal ‘nen Gelaendewagen gebraucht) bin ich beim Kleinwagen geblieben und fahre einen sehr knuffeligen (aber durchaus gerauemigen {denn ich bin nicht der kleinste}) Kia Picanto ICE. Parken in London ist ein Kinderspiel, und da ich im Benzinverbrauch in die unterste Sparte falle, muss ich noch nicht mal die Congestion CHarge zahlen.

    SUV’s? Nie.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Dirk Pilat am 29.07.08 um 10:03
  2. [...] Tschüß, Dino: Das absehbare Ende der Sport Utility Vehicles Als Floridapink noch sexy war: Der Wechsel der Schminkmoden Alarm im Hühnerstall 2.0: Weshalb Löschen schadet [...]

     
  3. Die glänzenden Absatzzahlen der SUV, die sie zu einer festen Größe auch auf europäischen Straßen gemacht haben, scheinen eine Erscheinung der Vergangenheit zu sein. Zu stark der stete Anstieg der Benzinpreise, zu stark der Durst der stattlichen Autos. Dass sie ohnehin nicht jedermanns Freund werden konnten.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Auto-Fan am 30.09.08 um 14:55

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