Individualverkehr zerstört Sozialverhalten
Natürlich ist die Überschrift polemisch: Nicht alle, die ein Kfz bewegen, sind Arschlöcher, aber das Gros derjenigen, die sich an ein Lenkrad setzen, wird zur Arschlochbande, sobald der Startknopf gedrückt ist. Um es zu präzisieren: Autofahrer sind egoistisch, autistische Arschlöcher. Und das ist kein Systemfehler, sondern das Prinzip des motorisierten Individualverkehrs. Schließlich geht es seit den Tagen von olle Daimlers Motordreirad darum, sich per PKW einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Zum Beispiel schneller wohin zu kommen als die anderen. So betrachtet steht das Automobil stellvertretend für alles, was der Kapitalismus aus dem ehemaligen Sozialwesen Mensch gemacht hat.
Wie bei jedem asozialen Verhalten finden die schamhaften unter den Kraftfahrern immer auch scheinbar vernünftige Gründe für ihr menschenfeindliches Tun. Ja, wie käme ich sonst zur Arbeit? Hä? Warum bist du Dummbeutel denn in die Vorvorstadt gezogen? Warum hast du dann ein hässliches Reihenhaus gebaut? Deinen Kindern das lebensbildende Aufwachsen in der Stadt geraubt? Deine Gattin zur dumpfen Hausfrauenpflanze degradiert? Musste nicht sein und hätte beim Verbleib in der Nähe des Arbeitsorts vielen Leuten viel Leid erspart.
Joa, da bün isch unabhängisch. Auch nett: Freiheit ist ein Auto haben. Also die Freiheit, anstatt in die Dorf-Disco von Pommelbommel zum Tanzschuppen in St.Ofenrohr zu brettern. Jederzeit hinfahren zu können, wo man will. Zum Beispiel in den Stau auf der A3. Man erlebt ja auch mehr im Auto. Ungefähr so viel wie der Fisch im Aquarium. Der glotzt auch blöd durch Glasscheiben auf die Welt da draußen und meint, er tät was erleben.
Autos isolieren. Dvon proftieren gewisse Elemente. Einschub: An dieser Stelle muss zwischen Rüden und Menschinnen unterschieden werden, denn die funktionieren anders. Also nehmen wir den dummen, ungebildeten, hässlichen Mann. Genau, die Type mit dem Schnullimund, den Tittenfetischisten. Oder die Fettfratze mit Migrantenhintergrund, der seinen Penis als eine Art Maschinengewehr sieht, jedenfalls als Machtmittel. Sagen wir einfach: Der dumme Mann.
Der sitzt sehr gerne in seinem Auto und sagt: Das iss mei Auddo. Oder: Döschiss mei neuss Auddo. Wenn er redet, redet er sehr gern von Seimauddo. Das ist ja auch so eine Art Kinderwagen, der ihn vor der bösen Welt schützt. Da isser Kingkong, wenn er den Gashebel presst. Da verliert er alle Beißhemmung. Da lässt er die Sau krachen. Da ist er … MASTER of the UNIVERS!
Dieser Typus wird gern Vertreter. Nennt sich dann Außendienstler oder Vertriebsbeauftragter und kriegt einen schwarzen Kombi von Vwaudibmw. Er verdient sein Geld damit, willentlich die Straßenverkehrsgesetze zu übertreten, stündlich das Leben anderer aufs Spiel zu setzen und sich beim Kunden Demütigungen abzuholen. Nur in seinem Auddo, da ist er wer, da kann ihm keener, da ist Mann noch Mann, da wird gekämpft.
Insgesamt gilt: Je dümmer, je schwächer, je archaischer, desto Auto. Kein Wunder, dass Luden, Drogenhändlern und anderen kriminellen Schweinen der PKW so wichtig ist. Ohne Kiste wären sie nackt. Man könnte sehen, dass sie einfach nur kleine, blöde Amöben sind, die von der Mami zu früh abgestillt wurden. Wenn ein gewisser Mangel an Penislänge hinzukommt, kann das Auto gar nicht lang und dick genug sein. Diese Eigenschaft teilen die Klein- und Mittelkriminellen übrigens mit den Großkriminellen auf Unternehmer- und Managerseite.
Kurz und gut: Gern autozufahren ist ein Indiz für mangelnde Intelligenz. Jungen Menschen sei dies zugestanden, die nehmen ja auch Drogen. Wer aber jenseits der 40 noch ohne inneren Widerstand in ein Kfz steigt, um es ohne Not zu kutschieren, der sollte sich doch mal nach einem Therapeuten umsehen, der beim Erwachsenwerden behilflich sein kann.
Haha, wie immer sehr unterhaltsam und meinungsstark, wenn der Rächer der Enterbten sein Lieblingssteckenpferd reitet. Der Grundthese, wonach der motorisierte Individualverkehr nicht eben die edelsten Charaktereigenschaften unserer Spezies emporkitzelt, kann ich mich sogar ohne Verrenkungen anschließen. Allerdings würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, ein gewisses Maß an Arschlochtum ist im Betriebssystem des Menschen angelegt und zwar weitgehend unabhängig von der jeweiligen Form der Fortbewegung. Selbst auf dem Gehweg rumstehen macht einen nicht zum besseren Menschen, wie man an den Zeitgenossen sehen (und hören) kann, die jeden darüber belehren, dass hier kein Radweg sei. Oder nehmen wir die iPodverstöpselten Pedalritter, die rücksichtslos rumgurken unter völliger Missachtung aller Verkehrsregeln und -Zeichen oder die ganzen Idioten, Spackos und wandelnden Lärmquellen, die einem das Bus- und Bahnfahren so nachhaltig verleiden. Und das Thema kenn ich nicht nur aus Büchern, ich habe (unter zugegebenermaßen etwas anderen Lebensumständen als jetzt) jahrelang bewusst ohne Auto gelebt – mit zweieinhalb bis drei Stunden ÖPNV fast jeden Tag.
Was daran erstrebenswert oder gar menschheitsverbessernd sein soll, kannste ja bei Gelegenheit gern mal erklären. Und was das “ehemalige Sozialwesen” angeht – wann genau soll denn der Kollektivverkehr das beherrschende Paradigma der Fortbewegung gewesen sein?
Lieber mark793: wie immer ein flotte Replik auf einen meiner haltlosen Wutausbrüche. Wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht so meine. Guck mal, andere fluchen hinter hochgedrehten Scheiben in ihren Bleckkästen wie die Kesselflicker und lassen so Dampf ab. Ich mach’s halt hier – und hab Spaß dabei.
Im Ernst nur folgendes: Die Ära des motorisierten Individualverkehrs hat der Menschheit keinen einzigen Vorteil gebracht, nur Nachteile: Abhängigkeit vom Öl samt damit verbundener Ressourcenkriege, Verkehrstote, Versiegelung der Landschaft etc pp. Vielleicht war dieser evolutionäre Umweg nötig; kann aber nur besser werden.
Es würde nur halb so viel Spaß machen, lieferten Deine “rants” nicht eine so dankbare Reibungsfläche. Wenn man die ganze Zuspitzung und polemische Überzeichnung mal abzieht, bleiben ja doch sehr nachdenkenswerte Überlegungen. Dass der Individualverkehr z.B. auch in Fords own country auf Betreiben der Rockefellers und Konsorten in den Städten funktionierende Infrastrukturen platt gemacht hat, weiß man ja. Ebenso, wer in erster Linie profitiert davon, dass die Dinge sind, wie sie sind.
Allerdings denke ich, dass die Faszination des Fahrens eine anthropologische Grundkonstante ist und nicht primär kapitalismusgetrieben, sonst hätte man im Ostblock oder in China und Umgebung ja alle Möglichkeiten der Welt gehabt, den neuen sozialistischen Menschen und ÖPNV-Nutzer by nature zu schaffen. Im Übrigen halte ich die Überlegung, dass das Pendel unter bestimmten Umständen künftig in eine ganz andere Verkehrsrichtung schlagen könnte, keinesfalls für abwegig. Ob wirs noch erleben, ist eine andere Frage.
Zur Frage, ob der Mensch das Fahren so zu sagen in den Genen hat, hat sich mal der Philosoph und Anthropologe Lewis Mumford geäußert (Quelle muss ich nachschlagen – es dürfte in “Mythos der Maschine” sein; was mich übrigens anregt, hier mal ein Stück über Mumford zu machen…). Und zwar sinngemäß und ungefähr so, dass er annimmt, dass die Lust am Autofahren einerseits gespeist wird aus der evolutionären Herkunft des Menschen als Fluchttier, dem Geschwindigkeit ja erfolgreiche Flucht ermöglicht, und andererseits aus der nomadischen Disposition der neolithischen Jäger und Sammler, denen der Ortswechsel ja Überleben sicherte. Letzteres würde ja Wohnmobile erklären, ersteres die PS-Massen.