Von dunklen Herren in dicken Schlitten

Mit ehrlicher Arbeit…

cls_amg.jpgWas macht Reichtum aus? Wie wir von Don Alphonso lernen, ist wahrer Reichtum alt, also vererbt. Aber wie wir alle wissen, gibt es auch Neureiche, die bekanntlich oft gescholten und verachtet werden, weil sie dazu neigen, ihren Wohlstand zur Schau zu stellen. In Wirklichkeit sind die Kritiker der Neureichen ja bloß neidisch. Denn es ist doch jedem zu gönnen, der durch ehrliche Arbeit Reichtum erworben hat, den auch zu genießen. Das als Vorrede.

Bekanntlich wohne ich an einer Düsseldorfer Straße, die dank Abgas und Feinstaub nicht nur “Giftmeile” genannt wird, sondern sich auch durch eine hohe Dichte an Tattoo-Studios, Internet-Cafés, Kulturvereinen und Spielsalons auszeichnet. Einen Block weiter befindet sich der Fürstenplatz, lebendiges Zentrum des Viertels. An dessen Westseite führt eine Straße vorbei. Und über die donnerte dieser Tage ein schwarzes Ungetüm von Auto. Es handelte sich, das ergaben Internet-Recherchen, um einen Mercedes AMG 6.5, einem Fahrzeug, das mit einem 12-Zylinder-Kompressormotor ausgestattet ist. Das besagte Auto war erheblich tiefgelegt und hatte am Ende geschätzte acht Auspuffrohre, aus denen es dumpf grollte.

Diese Gerät fuhr so an mir vorbei, dass ich die Insassen erkennen konnte. Es handelte sich um einen Mann von Mitte Dreißig mit sehr schwarzen Haaren, einer sehr schwarzen Brillen mit offensichtlichem Migrantionshintergrund. Auf dem Beifahrersitz hockte eine sehr blonde Frau in sehr knapper Bekleidung. Kaum an mir vorbei, trat der Chauffeur dem AMG auf den Pinsel. Das Fahrzeug schoss in der 30-km/h-Zone davon und erreichte nach 100 Metern gefühlte 100 Stundenkilometer. Offensichtlich war der Fahrer ziemlich stolz auf Auto und Begleiterin und durchaus nicht bemüht, diesen Stolz zu verbergen. Nun muss man wissen, dass so eine AMG-Kiste schon ab Werk über 200.000 Euro kostet. Dieser CLS war aber ganz offensichtlich noch verbessert worden, sodass ein Anschaffungspreis von um die 300.000 Euro denkbar wäre.

Es handelte sich also um einen Herren, der durch seine Berufstätigkeit bzw. seine Geschäfte in der Lage ist, derartige Beträge für einen Pkw auszugeben. Nun ging mir durch den Sinn, dass der türkische Gemüsehändler an der Ecke Morse-/Keplerstraße wohl eher nicht über solche Mittel verfügt. Dass überhaupt im Handel oder in einem Angestelltenjob die Umsätze und Einkommen nicht die Höhe erreichen, dass mal eben 300.000 Euro übrigbleiben. Selbst per Leasing (um die 3.500 Euro pro Monat) ist eine solche Schleuder kaum erschwinglich. Vielleicht, dachte ich, haben der junge Mann und seine blonde Gattin ja im Lotto gewonnen. Oder eine Erbschaft gemacht. Möglicherweise hat der AMG-Fan aber auch in einem der vielen illegalen Spielcasinos der Gegend mal so richtig abgeräumt.
Tatsächlich parkte der schwarze, tiefergelegte, hochgetunte AMG CLS ein paar Tage später auf dem Gehweg an der Ecke Corneliusstr./Fürstenwall. Ich habe mir sogar das Kennzeichen gemerkt, werde aber den Teufel tun, dies hier zu veröffentlichten. Nur so viel sei gesagt: Es war ein D-Nummernschild mit zwei Buchstaben und einer Ziffer. Der nicht ganz legale Parkplatz, rund zwanzig Meter Bürgersteig vor den Fenstern eines Wettbüros, das die Ergebniszettel von Pferderennen in Frankreich seit drei Jahren nicht mehr ausgewechselt hat, ist überhaupt ein guter Ort, scharfe Autos zu sehen. Die tragen meist Kennzeichen aus Düsseldorf, aber auch das Umland (NE, ME) und das Ruhrgebiet ist gut vertreten. Mercedesse sind in der Mehrheit, aber auch weiße Q7, silberne BMW X5 und Audi A8 sind anzutreffen. Besonders gut beparkt ist die Stelle Sonntagsmorgens. Und wenn ich mit dem Hund gehe, dann sehe ich manchmal Gestalten aus Freizeitklubs kommen, die sehr verzweifelt aussehen.

Wie auch immer der Mann im CLS zu Erfolg gekommen sein mag, die Vermutung, er habe seinen Wohlstand auf kriminellen Wege erworben, kann nur als ausländerfeindlicher Reflex verstanden werden. Denn auch Mitbürger mit Migrantionshintergrund sind – wie wir alle – in der Lage, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, hart zu arbeiten und das Eisen zu schmieden solange es heiß ist Und mit dem Drogenhandel ist in Zeiten verfallender Preise nicht soviel zu verdienen, dass man sich ein 300.000-Euro-Auto leisten könnte. Und wäre der besagte Mann ein Verbrecher, dann hätte ihm unsere gute Polizei längst das Handwerk gelegt. Da bin ich ganz sicher.


» Satire von Rainer Bartel am 19.03.09 um 12:44 » in Kategorien: Wirtschaft » 553 x gelesen » noch kein Kommentar
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