Die Ganz Große Weltfinanzkrise

Von Börsencrashs und Bank-Runs

bank_run.jpgWie schon erwähnt: Das was uns Ottos Normalwirtschaftlern von den Medien an Erklärungen rund um die Ganz Große Weltfinanzkrise (GGWFK) präsentiert wird, dient nur dazu, uns zu verblöden. Die Herde ruhig zu stellen. Den Finanzschweinchen die Möglichkeite zu geben, im Hintergrund weiter zu spekulieren. Dazu trägt wesentlich die These bei, es ginge bloß um Psychologie. Das ist die große Medienlüge dieser Tage.

Wenn die Talkshow-Nutten gebetsmühlenartig von Vertrauen schwafeln, wollen sie uns glauben machen, in den Instituten säßen Menschen, die Kredite an andere Institute danach verteilen, ob sie das Bauchgefühl haben, sie könnten denen Vertrauen. Dabei laufen bereits seit mehr als zehn Jahre komplexeste Softwareprodukte in den Banken, die Risiken auf die dritte und vierte Nachkommastelle berechnen. Selbst die dreimal verfluchten Ratingagenturen, denen man immer unterstellt, in ihnen säßen Experten, die Unternehmen bewerten, arbeiten hauptsächlich mit Computern und korrigieren die Ergebnisse dann manuell, wenn sie einem ihrer korrupten Ziele nützen.

Die Kreditwürdigkeit von Unternehmen wird ganz ähnlich errechnet wie die der Konsumenten. Es werden aus einer Reihe an Kriterien so genannte “Scores” errechnet, die anzeigen, ob und zu welchen Konditionen man den Anylsierten Geld borgen sollte. Das hat alles nichts mit Ver- oder Misstrauen zu tun und nur wenig mit Psychologie.

Börse ist Börse, nicht mehr
Der zweite Psychotrick derjenigen, die die Schuld am Finanzdesaster tragen ohne die Verantwortung zu übnernehmen: Die Börse als Gradmesser der Weltwirtschaftslage zu präsentieren. Da wird uns nun seit Wochen eingebläut, es sei eine einzige Katastrophe, dass die Indices an der New Yorker Börse (NYSE), der Dow-Jones-Index, an der Deutschen Börse Frankfurt (DAX), an der Tokioter Börse (NIKKEI) und in London, Moskau etc pp abkacken. Auch das eine Lüge: Der Wert einer Aktie ergibt sich aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage; sinkt der Kurs, heißt das nur: keiner will das Papier des entsprechenden Unternehmens. Das kann viele Gründe haben; nur selten ganz einfache. Es ist ja nicht so, dass der Kurs einer Unternehmensaktie fällt, wenn die Firma miese Bilanzen präsentiert. Mittlerweile ist es ja normal, dass die Kurve knickt, wenn ein erfolgreicher Laden ankündigt, dass man die hohen Ziele nicht erreichen wird und/oder eine so genannte “Gewinnwarnung” ausspricht. Das bedeutet dann nur, dass weniger Profit erwirtschaftet wird als er hofft, hat aber mit dem Wert des Unternehmens wenig zu tun.

Wenn die Indices der großen Börsen fallen, dann bedeutet das zunächst nur eines: Die Nachfrage nach Aktien sinkt. Es bedeutet eindeutig nicht, dass die Unternehmen kollektiv weniger wert wären oder dass deren Umsätze in den Keller gingen. Wenn wundert es denn, dass im Gefolge der GGWFK immer weniger Spekulationscomputer ihren Herrchen empfehlen, Aktien zu kaufen? Zumal sich ja die Menge an Blasengeld minimiert hat, die mit dem Verkauf von Derivaten und Aktienfonds an Kleinanleger aufgeblasen wurde. Die so genannten “institutionellen” Anleger, also die diversen Banken und Fonds, kaufen und verkaufen nicht nach Gefühl, nur die Sparer, die was fürs Alter zurücklegen wollen, tun das. Und leider angeleitet durch skrupellose Beraterschweine, die ihnen verkaufen, was am meisten Provision bringt.
So betrachtet ist der andauernde Börsencrash verständlich, unabhängig vom Tun der Unternehmen und im Sinne realistischer Wirtschaft vielleicht sogar sehr gesund.

Geld abholen, neu anlegen?
Es sieht so aus, als wäre der deutsche Geldbesitzer weniger hysterisch als es sich die Schreibfinken und TV-Clowns zwecks Auflagen- und Quotensteigerung wünschen. Panisches Abholen von Geld von der Bank blieb hierzulande aus. In Großbritannien hat es dagegen solche Bank Runs in den letzten Monaten schon gegeben. Trotzdem befassen sich etliche Sparer mit der Frage, ob ihr Vermögen, da wo es liegt sicher ist. Das wirft die Frage nach der Sicherheit von Anlagen auf, die niemand schlüssig beantworten kann – jeder Fonds kann zusammenklappen, fast jede Bank kann abrauchen. Tatsächlich ist aber das Gros der gängigen Anlageformen dadurch abgesichert, dass a) Ausgleichsfonds bestehen, b) Versicherungen der verwaltenden Finanzinstitute existieren und c) letztlich durch das rein politische Sicherheitsversprechen von Angie & Peer.
Nur wer sich Finanzprodukte hat aufschwatzen lassen, die er nicht verstanden hat und die nun den Wert verlieren oder schon größtenteils verloren haben, hat Anlass zum Umshiften.

Natürlich surfen etliche Trittbrettfahrer jetzt auf der Panikwelle. Wenn Internet-Goldhändler den Handel wegen zu großer Nachfrage aussetzen, ist das auch bloß ein Trick, die Anleger heiß aufs Gold zu machen. Natürlich sprießen jetzt massenweise Anlageformen aus dem Boden, die supersupersicher sind – und dem Verticker jede Menge Provi bringen. Dabei sollte der ganze Hype den gemeinen Sparer nicht berühren, sondern bloß die Vermögenden, die nicht wissen, wo sie mit all ihrer Kohle hin sollen. Und um deren Abgang ins Normalmaß wäre es ja nicht schade. Nein, vielen Erben oder Verbrauchern von aus Unternehmensverkäufen gezogenem Geld wünscht man es geradezu, dass sie wieder gezwungen werden, für Geld arbeiten zu müssen.


» Bericht von Rainer Bartel am 10.10.08 um 10:40 » in Kategorien: Wirtschaft » 383 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Die Finanzkrise beschert uns täglich neue Hiobsbotschaften. Die Finanzwirtschaft muss dringend das Vertrauen ihrer Kunden zurück gewinnen. Nach dem Konkurs von Lehman und der AIG-Rettung stecken die deutschen Banken in einer tiefen Vertrauenskrise. Bereits 70 Prozent der Deutschen haben grundsätzlich kaum mehr Vertrauen in die Finanzbranche. Diese Zahl ist deshalb so dramatisch, da 96 Prozent der Befragten angaben, dass ein hohes Vertrauen zu ihrer Bank notwendig sei, um überhaupt Geschäfte mit ihr zu tätigen. So die Ergebnisse des “MRI Vertrauensbarometers Deutschland”, das vom Münster Research Institute und der Zeppelin Universität Friedrichshafen durchgeführt wurde.

    Vertrauen braucht Regeln, um individuelle Eigenverantwortung zu gestalten. Getrieben von Renditegier, Kurzzeit-Aktionismus und Kostenwahn wurde das Vertrauen der Bankkunden systematisch verspielt. Die dringlichste Aufgabe ist also, das Kundenvertrauen zurück zu gewinnen. Denn Menschen wollen und müssen vertrauen. Ohne Vertrauen ist keine Zusammenarbeit in der Wirtschaft möglich. Gerade in Zeiten mit vielen Veränderungen, gewinnt Vertrauen an Bedeutung, um tragfähige Beziehungen aufzubauen. Wenn Zeit oder Wissen fehlen, um eine Sache zu verstehen, ist Vertrauen der beste Kitt. Wir kaufen am liebsten, wenn wir überzeugt sagen: „WOW, das ist ein super Angebot!“ Gerade bei Finanzdienstleistungen erfolgt der Abschluss über Vertrauen. Ohne Vertrauen wird kein Kunde unterschreiben und niemals vertrauensvolle Empfehlungen aussprechen. Kaufreue wird sich jetzt bei vielen Bankkunden regen.

    Vertrauen ist ein zartes Pflänzchen. Es braucht lange zum Wachsen – und ist bei Vertrauensbruch durch Lügen, Verrat und Betrug sofort zerstört. Es gibt nur einen Weg aus der Finanzkrise: Krisenmanagement, neue Spielregeln definieren und neues Vertrauen aufbauen. Auch wenn Menschen vergesslich sind: Es dauert lange, bis zerstörtes Vertrauen wieder aufgebaut ist.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Hilker am 12.10.08 um 12:07

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